Praxis-Guide
Elcometer 138/2 richtig anwenden: Oberflächenkontamination (Bresle) sicher nachweisen – in 10–15 Minuten
Unsichtbare Salze, Chlorid, Eisen oder pH-Abweichungen sind häufige Ursachen für frühes Beschichtungsversagen. Dieser Guide zeigt dir den praxissicheren Workflow mit dem Elcometer 138/2 – inklusive Richtwerten, Fehlercheck und Wartungsroutine.
Produktüberblick: Was misst das Elcometer 138/2 – und wofür?
Das Elcometer 138/2 ist ein Oberflächenverunreinigungstestset, das unsichtbare Kontaminationen prüft – insbesondere pH-Wert, Chloridionen, Eisen und Salze. Ziel: Beschichtungsfehler vermeiden, bevor sie teuer werden. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
| Bereich |
Wie funktioniert’s? |
Typischer Nutzen |
| Bresle-Probe (ISO 8502-6) |
Deionisiertes Wasser wird im Bresle-Sampler auf einer definierten Fläche zirkuliert, anschließend wird die Lösung getestet. |
Reproduzierbare Probenahme statt „Bauchgefühl“. :contentReference[oaicite:1]{index=1} |
| Chlorid |
Kapillar-Titrator (Quantab): Sättigung abwarten, Skala ablesen und per Tabelle in ppm/mg/L umrechnen. |
Korrosionsrisiko unter der Beschichtung früh erkennen. :contentReference[oaicite:2]{index=2} |
| Eisen |
Teststreifen kurz eintauchen, Reaktionszeit einhalten, Farbskala vergleichen. |
Rost-/Eisenrückstände nach Strahlen/Schleifen sichtbar machen. :contentReference[oaicite:3]{index=3} |
| pH |
Teststreifen eintauchen, Farbvergleich; bei schwachen Lösungen ggf. länger eintauchen (Richtwert). |
Chemische Abweichungen erkennen, die Haftung/Beständigkeit beeinträchtigen können. :contentReference[oaicite:4]{index=4} |
Bresle-Testfläche
12,5 cm²
Konstante Fläche für vergleichbare Ergebnisse. :contentReference[oaicite:5]{index=5}
Probenvolumen (Bresle)
2,6 ± 0,6 ml
Wichtig für Vergleichbarkeit & Umrechnung. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
Chlorid-Messbereich
30–600 ppm
Als Cl⁻ in der Lösung; Umrechnung auf Fläche möglich. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
Praxis-Tipp:
Trage beim gesamten Ablauf saubere Latex- oder Nitrilhandschuhe. Die Tests sind sehr empfindlich – schon kleine Verunreinigungen über Handschweiß oder schmutzige Becher/Spritzen verfälschen das Ergebnis. Spüle Becher, Spritze und Nadel bei Bedarf mit deionisiertem Wasser (nicht mit Leitungswasser). :contentReference[oaicite:8]{index=8}
Empfohlene Grundeinstellungen (Richtwerte aus der Anleitung)
Die folgenden Werte sind praxistaugliche Richtwerte, abgeleitet aus der Hersteller-Anleitung. Bei Spezifikationen/Projektnormen gelten immer die Vorgaben im Prüfplan.
- Deionisiertes Wasser: ca. 3 ml in die Spritze aufziehen (Rest im Becher verwerfen – nicht zurückfüllen). :contentReference[oaicite:9]{index=9}
- Injektion in den Sampler: erst ca. 1,5 ml injizieren, Luft aus dem Sampler evakuieren, dann den Rest injizieren (Richtwert). :contentReference[oaicite:10]{index=10}
- Einwirkzeit: auf unpittierten, gestrahlten Flächen sind ca. 10 Minuten als ausreichend beschrieben (Richtwert, abhängig von Oberfläche). :contentReference[oaicite:11]{index=11}
- Zirkulationszyklen: mindestens 4x „absaugen + wieder injizieren“ (Richtwert). :contentReference[oaicite:12]{index=12}
- Wichtige Regel: Geht während der Probenahme Lösung verloren, muss der Test verworfen und wiederholt werden. :contentReference[oaicite:13]{index=13}
Profi-Workflow (5–7 Schritte) – so bekommst du belastbare Ergebnisse
- Vorbereiten: Handschuhe anziehen, Becher/Spritze/Nadel sauber halten, ggf. mit deionisiertem Wasser spülen. :contentReference[oaicite:14]{index=14}
- Bresle-Sampler setzen: Schutzfolie entfernen, Sampler fest auf die Oberfläche drücken (Rundum-Dichtung!). :contentReference[oaicite:15]{index=15}
- Wasser dosieren: ca. 3 ml deionisiertes Wasser in die Spritze ziehen; Restwasser im Becher entsorgen (nicht zurück in die Flasche). :contentReference[oaicite:16]{index=16}
- Befüllen & entlüften: erst Teilmenge injizieren, Luft aus dem Sampler herausziehen/entfernen, danach Restmenge injizieren. :contentReference[oaicite:17]{index=17}
- Einwirken lassen & zirkulieren: nach geeigneter Zeit Lösung absaugen und sofort zurückinjizieren; mindestens vier Zyklen durchführen. :contentReference[oaicite:18]{index=18}
- Lösung entnehmen: am Ende möglichst viel Lösung absaugen, in den Becher überführen und sofort testen (Chlorid/Eisen/pH). :contentReference[oaicite:19]{index=19}
- Dokumentieren & reinigen: Oberflächentemperatur notieren, Sampler entfernen, Oberfläche reinigen; Kit-Komponenten mit frischem Wasser spülen. :contentReference[oaicite:20]{index=20}
Messlogik verstehen: ppm in „Salz pro Fläche“ umrechnen (Richtwert)
Für Chlorid liefert der Titrator typischerweise eine Konzentration in ppm (mg/L). In der Anleitung wird (bezogen auf 3 ml Probe aus 12,5 cm²) eine Abschätzung der Salzmenge pro Fläche angegeben:
Richtwert-Formel 1
µg/cm² = 0,4 × Konzentration (ppm)
Richtwert-Formel 2
mg/m² = 4,0 × Konzentration (ppm)
Hinweis: Diese Umrechnung ist eine Abschätzung „als Natriumchlorid“ gemäß der Anleitung (Richtwert/vereinfachtes Modell). :contentReference[oaicite:21]{index=21}
Fehlerbehebung: 4 typische Probleme – und was du sofort tun kannst
1) Lösung verloren / Undichtigkeit
- Test verwerfen und wiederholen (Herstellerhinweis).
- Sampler-Rand rundum kräftig andrücken, Dichtung prüfen, Nadel nur durch den Schaumrand führen.
:contentReference[oaicite:22]{index=22}
2) Luftblase im Sampler
- Nadelposition im Sampler verändern und Luft evakuieren (Richtwert aus Ablauf).
- Spritze mit Nadel nach oben halten und Luft aus der Spritze ausstoßen.
:contentReference[oaicite:23]{index=23}
3) Eisen-Test zeigt „zu hoch“
- Wenn ≥ dunkelster Skalenwert: Probe mit deionisiertem Wasser verdünnen und erneut messen.
- Ergebnis anschließend mit dem Verdünnungsfaktor multiplizieren.
:contentReference[oaicite:24]{index=24}
4) Farbwechsel/Ablesung „wirkt komisch“
- Eisen: Reaktionszeit 10 s einhalten – spätere Farbänderung nicht als Messwert werten.
- pH: Bei schwachen Lösungen ggf. länger eintauchen (bis zur stabilen Farbänderung; Richtwert).
:contentReference[oaicite:25]{index=25}
Wartung & Handling: So bleibt das Kit zuverlässig
- Komponenten nach dem Test mit frischem Wasser spülen und wiederverwenden. :contentReference[oaicite:26]{index=26}
- Teststreifen vor Nutzung auf Ablaufdatum prüfen; bei Überschreitung ersetzen. :contentReference[oaicite:27]{index=27}
- Becher, Spritze und Nadel sauber halten; bei Bedarf mit deionisiertem Wasser spülen. :contentReference[oaicite:28]{index=28}
- Gebrauchte (stumpfe) Nadeln sicher entsorgen (Hinweis zur Verletzungsgefahr). :contentReference[oaicite:29]{index=29}
- Alles im Transportkoffer lagern, wenn das Kit nicht genutzt wird. :contentReference[oaicite:30]{index=30}
Schnell zum passenden Set (inkl. Bresle-Sampler & Teststreifen)
Im Lieferumfang sind u. a. pH-Teststreifen, Eisenteststreifen, Chlorid-Teststreifen, Bresle-Sampler, Spritzen, Nadeln, Becher und Transportkoffer enthalten. :contentReference[oaicite:31]{index=31}
FAQ (praxisnah)
1) Welche Norm deckt die Probenahme ab?
Die Probenahme erfolgt mit dem Bresle-Verfahren gemäß ISO 8502-6 (wie in der Anleitung beschrieben). :contentReference[oaicite:32]{index=32}
2) Warum muss ich Handschuhe tragen?
Weil die Tests sehr empfindlich sind: schon geringste Kontamination kann Probe oder Oberfläche beeinflussen. :contentReference[oaicite:33]{index=33}
3) Wie schnell muss ich nach der Probenahme messen?
Direkt nach dem Überführen der Lösung in den Becher testen, damit keine Verfälschungen durch Standzeit/Umgebung auftreten (Best Practice aus dem Ablaufgedanken der Anleitung). :contentReference[oaicite:34]{index=34}
4) Was bedeutet „ppm“ bei Chlorid – und wie vergleiche ich Flächenwerte?
ppm beschreibt die Konzentration in der Lösung. Für eine Flächenabschätzung nennt die Anleitung Umrechnungen (µg/cm² bzw. mg/m²) als Richtwerte. :contentReference[oaicite:35]{index=35}
5) Welche Messbereiche kann das Kit abdecken?
pH 0–14; Eisen über Skalenstufen bis 500 mg/l Fe²; Chlorid im Bereich 30–600 ppm (je nach Teststreifen/Titrator). :contentReference[oaicite:36]{index=36}
Fazit
Mit dem Elcometer 138/2 bekommst du einen klar strukturierten Bresle-Workflow, um unsichtbare Kontaminationen (pH, Chlorid, Eisen, Salze) vor dem Beschichten schnell zu prüfen. Wenn du sauber arbeitest (Dichtung, Entlüften, keine Lösung verlieren, Reaktionszeiten einhalten), erhältst du belastbare Richtwerte für Freigabe oder Nachreinigung – und reduzierst das Risiko von teuren Reklamationen deutlich. :contentReference[oaicite:37]{index=37} :contentReference[oaicite:38]{index=38}